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February 28 2010

20:22

Ich mag schlechte Fotos.

Ich finde schlechte Fotos eigentlich ziemlich cool. Und mit “schlecht” meine ich (fälschlicherweise) “technisch schlecht”.

Letzten Freitag habe ich mir die iPhone App “Hipstamatic” gekauft, die mit dem Slogan “Digital Photography Never Looked So Analog” beworben wird und eine alte Plastikkamera aus England in digitale und mobile Zeitalter bringt. Kurz gefasst, man öffnet die App, wählt Linse-/Film-/Blitz-Modul aus, schaut durch den “Sucher” (aufs Display) und macht ein Fotos, welches dann (relativ zeitaufwendig) so “entwickelt” wird, dass es direkt mal 30 Jahre älter aussieht.

Floating Spring

Und ich muss sagen, dass wir diese Art zu fotografieren wirklich zusagt. Ich glaube, ich würde auch gerne mit einer originalen Plastik-Kamera (bzw. einer Lomo) fotografieren, wobei natürlich die iPhone-Variante einige Vorteile hat. So kostet sie weniger, ist etwas kleiner und man hat sie sowieso dabei.

Ich finde, diese Fotos haben ihren Charme durch ihre größte Schwäche: Imperfektion. Bei den Fotos kann es gar nicht darauf ankommen, mit einer möglichst teuren Kamera ein möglichst perfektes Abbild der Wirklichkeit zu schaffen. Es ist die durch Imperfektion erzwungene Interpretation, die eine solche Kamera und ein solches Foto so wirkungsvoll machen.

Zum einen muss der Fotograf sich nicht nur darauf einlassen, dass das, was er sieht, kaum genau so abgebildet wird, und muss deswegen eher erahnen, was die Kamera sieht, um dem Foto die Wirkung zu geben, die es haben soll. Jedes Foto wird einzigartig. Jedes Foto ist ein Versuch, aus der Wirklichkeit, wie wir sie sehne, auszubrechen. Er hat limitierte Möglichkeiten, bestimmte Dinge besonders herauszustellen, aber er kann versuchen, durch geschickte Komposition und Perspektive den Kern seines Motivs aus Bild zu bannen. Im Gegensatz zu herkömmlicher Fotografie ist das alles, was ihm übrig bleibt.

Zum anderen wir der Betrachter nicht einfach eine abgebildete Szene seiner Umwelt zu sehen bekommen. Viel mehr bekommt er einen stark subjektiven (und absichtlich) manipulierten Eindruck, den er erst verstehen und dann zu deuten hat.

Searching For The Prince